LIZ – Selbstverständnis

Warum wir eine libertäre Freiraumkampagne brauchen

Her mit dem libertären Zentrum!

Libertär

Der Begriff des Libertarismus, auf den wir uns beziehen, wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts von anarchistischen Denker*innen entwickelt. Im wörtlichen Sinne meint libertär zunächst schlicht freiheitlich. Im engeren und von uns intendierten Sinne meint libertär nicht nur frei, sondern frei von Herrschaft, scheinbar natürlichen Autoritäten, Staat und Diskriminierung. Die selbstständige Entfaltung des Individuums steht im Mittelpunkt der libertären Idee, wobei gleichzeitig der Gedanke, unter Gleichberechtigten zu leben und diese zu respektieren den notwendigen Rahmen für das schöne Leben darstellt. Jegliche Form autoritärer Ideologie wird strikt abgelehnt, und so haben Hirngespinste wie der Nationalstaat oder die Herrenrasse keinen Platz in libertären Freiräumen.
Dieser Grundgedanke, herrschaftliche Strukturen im Inneren abzulehnen bedeutet auch, dass sie nach außen hin abgewehrt werden müssen. Selbsternannte Autoritäten, wie der Staat oder die Regierung dürfen keine Entscheidungsgewalt über unsere Struktur haben. Entscheidungen, die die Gemeinschaft und unsere Strukturen betreffen werden nach dem Konsensprinzip gefällt und niemand soll aus Entscheidungsprozessen ausgeschlossen werden.

Kapitalistische Normierung und Leistung

Der westeuropäische, Nordamerikanische und global werdende Kapitalismus erzeugt Zwänge und Notwendigkeiten überall dort, wo er auftritt, die weder demokratisch legitimiert, noch gerecht oder freiheitlich sind. Dem Wachstumsparadigma der kapitalistischen Logik sind alle anderen Interssen Einzelner untergeordnet, was nachhaltige oder solidarische Lebensentwürfe erheblich erschwert, da diese nicht auf Wachstum, sondern Gleichgewicht ausgelegt sind. Selbstverständlich werden immer wieder auch ursprünglich antikapitalischtische Konzepte, wie beispielsweise ökologische Nachhaltigkeit durch den freien Markt vereinnahmt, und dennoch bleibt der Kerngedanke der Aneignung und Ausbeutung stets bestehen. Kapitalisierung bedeutet die Umwandlung natürlicher Vorkommnisse in einen Tauschwert.
Eine Regierungspraxis, die sich daran orientiert, erzeugt immer wieder erhebliche Ungerechtigkeiten, mit großen Monopolen (Reichtum, Entscheidungsgewalt,..) auf der einen und Knappheit und Elend der Vielen (ökologische Brachen, Slums an den Stadträndern;..) auf der anderen Seite.
Auch an Stellen, wo die Folgen der Kapitalisierung nicht in dem extremen Maße ausfallen, sind Menschen, wenn sie in der Wachstumsgesellschaft nicht auf der Strecke bleiben wollen, gezwungen, persönliche Interessen und Fähigkeiten dem Zwang zur Leistung unterzuordnen. In der für den freien Markt idealen Situation, dass die meisten oder alle Angestellten, also Lohnarbeiter eine Bezahlung unterhalb des Existenzminimums erhalten, und damit den Mehrwert in der Produktion maximieren, sind jene weit davon entfernt, ein selbstbestimmtes Leben führen zu können. Der Zwang, Leistung zu erbringen, erzeugt einen Konsens darüber, was als wertvoll angesehen wird, und was nicht. Die Freiheit, eigene Werte zu erschaffen und so zu einer diversen Gemeinschaft beizutragen, ist in einer vom Kapitalismus geprägten Gesellschaft so gut wie nicht vorhanden.
Auch Stadtbilder werden immer wieder im Interesse des Profits „aufgewertet“, was eine Erhöhung der Mieten, eine Vereinheitlichung des Erscheinungsbildes und eine Verdrängung ärmerer Bevölkerung bedeutet. Ein Kampf für Freiräume ist auch immer ein Kampf gegen Gentrifizierung.

Freiräume

Die Logik der Selbstoptimierung und Unterordnung unter die Wachstumsprozesse ist in westeuropäischen Ländern schon so weit in das Denken der Menschen eingedrungen, dass viele das Funktionieren als echte Erfüllung des Selbstentwurfs internalisiert haben und so noch nicht einmal mehr an der Realisierbarkeit vorhandener Alternativen zweifeln, sondern diese überhaupt nicht formulieren.
Wir sind die kritische Marginalität, die an der Umsetzung der eigenen Utopien verbrennt. Und dennoch sehen wir keinen anderen Weg zu leben, denn sich mit den bestehenden Ungerechtigkeiten zu arrangieren kommt nicht infrage. Wir sehen das Elend und kommen nicht zur Ruhe. Als irrelevante Minderheit sind wir nicht in der Lage, die Gesamtzusammenhänge zu verändern, und dennoch können wir auch nicht einfach die Hände in den Schoß legen und auf die revolutionäre Kraft der fortschreitenden Verelendung warten.
Um nicht an den besteheden Verhältnissen zu verzweifeln sehen wir die einzige Möglichkeit, sich das schöne Leben zu erobern, darin, Freiräume zu erkämpfen, in denen die Normierungszwänge der Leistungsgesellschaft keine Macht haben. Jegliche Form des staatlichen Eingriffs in unseren Freiraum wäre ein Angriff auf unsere Autonomie.

Möglichkeiten

Ein geduldetes Zentrum, das als Feiraum für Strukturen abseits des Reglements durch Staat, Kapital und Patriachat existieren kann, stellt eine wunderbare Bereicherung für das Leben in einer Stadt dar. Wir brauchen es als einen Ort an dem wir uns gegenseitig von diesen gesellschaftlichen Zwängen befreien können. Als einen Ort an dem wir nicht nur Reden, sondern gemeinsam etwas erschaffen können. Das Mittel mit dem wir unsere Vorstellungen realisieren ist die direkte Aktion. Wir werden nicht noch eine Partei gründen und den Marsch durch die Institutionen antreten, um schlussendlich zu dem zu werden was wir eigentlich bekämpfen wollten. Wir werden unsere Probleme direkt angehen. Denn an Orten, wo nicht die Restriktionen durch Wirtschaftlichkeit und Mainstream herrschen, können Menschen sie selbst sein, ohne befürchten zu müssen, dass abweichendes Verhalten sanktioniert wird. Alles, was an anderen Orten gezielt kleingehalten oder verunmöglicht wird, hat hier das Potential, sich zu entfalten. Ein selbstbestimmtes Leben beinhaltet vor allem, Dinge selbst in die Hand zu nehmen und sich zu organisieren. Was wir viel zu oft in unseren Kellern und in der Nacht tun, weil wir Angst vor der Willkür der Polizei haben, wäre möglich in einem Raum ohne Machtmonopol. Diese müssen wir schaffen und erhalten!

Das schöne Leben geht nicht ohne Freiräume.

Wir werden sie uns nehmen.

Kein Schlaf ohne!