Archiv der Kategorie 'Allgemein'

Wir hatten die Piraten zu Besuch

Vergangenes Jahr haben uns die Piraten im Liz besucht und ein Interview mit uns geführt. Das Video ist nun pünktlich zum Geburtstag online.

https://www.diesozialliberalen.de/interview-mit-vertreterinnen-des-liz.html

Danke und schön das Ihr da gewesen seid!!!

Happy Birthday- Liz feiert Geburtstag

10. Mai 2017- seit gestern Abend überschlugen sich die Ereignisse. Um 20 Uhr startete im Hörsaal 17 der Uni Bonn die Podiumsdiskussion „Umkämpfte Stadtentwicklung“. Ins Leben gerufen wurde diese offene Diskussionsrunde von einem breiten Büdnis welches sich für eine Bürgerbeteilung von Unten einsetzt. Neben VertreterInnen der Gruppe Liz waren fünf weitere ReferentInnen bezüglich des Themas Städtepolitik vertreten.
(https://www.rosalux.de/veranstaltung/es_detail/KW38W/podiumsdiskussion-umkaempfte-stadtentwicklung/).
Auch wurden VertreterInnen der Stadt Bonn sowie des Bürgerbeitilungsverfahren Zebralog geladen. Beide hatten allerdings keine Zeit.
Pünktlich um 20 Uhr begrüßte die Moderatorin die geladenen ReferentInnen und einen mit ca. 80 Leuten gefüllten Hörsaal. Zwei Stunden lang wurden die Ideen und Vorstellung zum Thema „Wem gehört die Stadt?“ und „Wie können wir uns diese wieder nehmen?“ diskutiert. Die Vertreterinnen der PlanBude aus Hamburg habe hierzu viele anschauliche sowie inspirierende Beiträge gebracht. Denn dort wo wir in Bonn aktuell nur von einer Scheinbeteiligung durch das Beteiligungsverfahren der Stadt, ausgeführt durch Zebralog, sprechen können, gelang es den Menschen auf und um St. Pauli Stadtentwicklung tatsächlich von Unten mit zu gestalten. Etwas „hitzig“ wurde es als sich das Publikum bzw. die AnwohnerInnen des Viktoriakarrees meldeten um deutlich zu machen das es auch in „Ihrem“ Viertel viel kreativer Protest statt gefunden hat.
Bürgerinnen und Bürger mit einem Beteilungsverfahren angeleitet durch Zebralog „ruhig zu stellen“ hat an dieser Stelle bedauerlicherweise funktioniert.
Clara Arnold vom Nachbarschafts e.V. machte an dieser Stelle auch noch mal sehr deutlich, dass ihnen nachdem Zebralog und die Bürgerwerkstatt ins Leben gerufen wurde die „öffentliche Masse“ leider etwas zu ruhig, zu „befriedigt“ gewesen wäre. „Die Menschen sind zufrieden damit, wie es ist! Wenn es nach Ihnen geht muss sich im Viertel nichts verändern.“ war ein Beitrag aus dem Publikum. Was natürlich die Frage aufwirft, wie viel Aktivität an diesem Punkt der Geschichte ums Viktoriakarree noch von Nöten ist.
Natürlich hat sich im vergangenen Jahr einiges verändert. Der Bau einer neuen Shoppingmall wurde verhindert und Leerstände werden- wenn auch zu viel zu hoch angesetzten Mieten- wieder Zwischen vermietet. Geflüchtete haben neue Wohnraum zur Verfügung gestellt bekommen, und für alle die doch noch etwas mehr zum Ganzen beitragen wollen, gibt es ja die Bürgerwerkstatt in der Rathausgasse 8. Da kann Mensch doch nur zufrieden sein, oder!?

Nein. Die Menschen der Gruppe Liz und auch einige der AktivistInnen von Viva Viktoria und des Nachbarschafts e.V. sind nicht zufrieden! So wurde eine neue Gruppe gegründet „Viktoria bleibt Viertel“. Hier soll weiter dafür gekämpft werden, dass auch in Bonn eine Stadtentwicklung von Unten möglich wird. Mit echter Beteiligung und vor allem einem langfristigen Plan und somit Sicherheit für die Menschen die im Viertel wohnen und ihre Geschäfte betreiben.
Aber was ist eigentlich mit dem Liz? Gute Frage.Genau vor einem Jahr wurden die Räumlichkeiten in er Rathausgasse 6 besetzt. Für viele Menschen wurde dadurch der Traum eines eigenen Libertären Zentrums in Bonn endlich Wirklichkeit. Acht Monate lang gab es mitten in der Stadt einen Ort an welchem gelacht, geträumt, gestritten aber vor allem einen Ort an dem gemeinsam abseits von Profit Erzeugung gemeinsam etwas geschaffen wurde. Der Ort an welchem Menschen sich in einem unkommerziellen Rahmen treffen, austauschen, streiten, aneinander wachsen und sich ein Stück der freien Welt erkämpfen konnten wurde vor ungefähr 3 Monaten geräumt. Für einige wurde mit diesem Akt der Repression ein „Schandfleck“ in der Innenstadt beseitigt. Doch für so viel mehr Menschen wurde der lang erkämpfte Freiraum, ein Ort an dem sie abseits der sogenannten „Norm“ sie selbst sein konnten, abgeschafft.
Da wir uns ein Jahr später nicht traurig mit einem Transpi vor die alten, noch immer Leerstehenden Räumlichkeiten stellen wollten, haben wir kurzerhand beschlossen „Geburtstag wird im alten Liz Café“ gefeiert. So versammelten sich gestern am 10.05.2017 gegen ca. 22 Uhr ca. 50 Menschen in den alten Liz Räumen um bei Musik, kühlen Getränken und natürlich Kuchen Jahrestag zu feiern.
Zur Feier des Tages haben wir es uns dann auch nicht nehmen lassen die Räume in der ersten Etage kurzfristig zu besetzten. Wiedereinmal ist es uns gelungen Leerstand im Viktoriakaree für 12 Stunde mit Leben zu füllen. Die Resonanz der Anwesenden und der schnelle Support vor Ort hat uns gezeigt, dass es in Bonn nach wie vor den Bedarf eines Libertären Zentrums, einem Freiraum seitens der Alltagsdiskriminierung und Mainstream, gibt.
Auch ohne festen Raum arbeiten wir weiter und geben unseren Traum vom freien Leben nicht auf. Wir werden weiter Stadtentwicklung von Unten auf unsere Art umsetzen und ein Teil der anstehenden Prozesse bleiben. Denn auf die Fragen „Wem gehört die Stadt?“ gibt es nur eine Antwort- UNS ALLEN!

Happy Liz- Geburtstag an alle die die den Traum vom schönen Leben noch nicht aufgegeben haben!

Recht auf Stadt / AZ-Fest Aachen

Am Wochenende vom 5. bis zum 7. Mai feiert das AZ Aachen das AZ-Fest. Das klingt vielversprechend. Am besten: am Samstag, den 6. findet die Recht-auf-Stadt Demo statt. Das finden wir großartig und rufen alle dazu auf, die Genoss*innen zu unterstützen. Freiräume müssen überall erkämpft und verteidigt werden.
Hin da!

Fragmente libertärer Stadtpolitik

Wir haben gestern in einem Leerstand das Erscheinen der „Fragmente libertärer Stadtpolitik“ gefeiert. Diesen Text veröffentlichen wir im Laufe der nächsten Wochen auf unserer Seite.

Ein paar Wegweiser…

Der Kapitalismus ist als Gesellschaftsform nicht mehr tragbar. Darüber, warum das so ist, sind viele gute Bücher geschrieben worden, die sich kaum in der Einleitung einer kleinen Broschüre sinnvoll wiedergeben lassen. Außerdem glaube ich, dass im Jahr 2017 fast jede_r eigene Gründe hat, dieses System zu hassen. Dass es weg muss, ist klar, aber wie das geschehen soll und was danach kommt, darüber gibt es gewisse Unklarheiten.
Der Kapitalismus ist ein System, das von uns allen permanent neu erschaffen wird. Profitorientierte Verwertungslogik ist das ordnende Prinzip unserer Gesellschaft. Wir sind gezwungen nach diesem Prinzip zu handeln, aber indem wir so handeln, setzen wir erst wieder den Zwang für andere in die Welt. Daher kann es nicht ausreichen, einfach nur die Eliten dieser Gesellschaft anzugreifen. Wenn wir die Leute entmachten, die die herrschende Klasse in dieser Gesellschaft stellen, steht schon die nächste Gruppe von Leuten bereit, um sich als neue Funktionselite zu konstituieren. Danach haben wir dann dieselbe Scheiße in grün. Wenn wir die staatlichen Strukturen so wie sie sind bestehen lassen, werden wir keine freiheitliche Gesellschaft erschaffen können. Aber auch ein Kampf gegen die staatlichen Repressionsorgane, der nur um seiner selbst willen geführt wird, birgt in sich nicht das Potential zur Veränderung. Sicherlich werden Konfrontationen mit der Polizei unvermeidlich sein, wenn wir versuchen auf neue Weise zu leben, mindestens weil wir uns dabei über die Regeln des Privateigentums hinwegsetzen. Gewalt kann aber nicht an sich das Mittel einer positiven Veränderung sein. Die Veränderung einer Gesellschaft kann nicht in der Anzahl verprügelter Polizist_innen gemessen werden, denn Polizist_innen sind für diesen Staat nur entbehrliches Kanonenfutter.
Es gilt die gesellschaftlichen Verhältnisse, die uns alle zu Kerkermeister_innen unserer Mitmenschen machen, zu durchbrechen. Zum einen müssen wir dazu die Rollen, die wir uns gegenseitig zuschreiben in den Blick nehmen und Vorurteile und Ressentiments hinterfragen und bekämpfen.
Zum anderen geht es aber auch um simple wirtschaftliche Abhängigkeitsverhältnisse. Ich habe wenig Geld, deshalb kaufe ich bei dem Discounter ein, der mir die Waren, die ich brauche am günstigsten anbietet. Damit übe ich ökonomischen Druck auf die Angestellten der Discountkette aus, deren Löhne gesenkt werden, um trotz der niedrigen Verkaufspreise noch Gewinne zu ermöglichen. Ich übe Druck auf die Produzent_innen der Waren aus, die für möglichst wenig Gehalt möglichst viel produzieren müssen. Und ich übe Druck auf alle anderen aus, die vielleicht dringend einen Job brauchen, aber mit dem geforderten Leistungsniveau nicht mithalten können. Dies alles tue ich, indem ich versuche möglichst billig einzukaufen. Sehr viele Menschen müssen allerdings billig einkaufen, da sie selbst kein Geld haben. Die Katze beißt sich also in den Schwanz. Es mag zunächst so aussehen, als läge die Schuld an der ganzen Misere ausschließlich bei den Chefs der Großkonzerne und deren Aufsichtsräten. Und vielleicht auch noch bei den Aktionär_innen dieser Großkonzerne, die zunächst einmal wie die lachenden Dritten dieses Systems aussehen. Wenn man aber nicht an diesem Punkt stehenbleibt und weiter denkt, stellt man fest, dass diese Bosse und Aktionäre eben auch unter ökonomischem Druck stehen. Die Bosse sind heutzutage meist Angestellte ihre Unternehmen – und Aktionär_in kann heute eigentlich fast jede_r sein. Theorien, in denen behauptet wird, es müssten nur „Die Da Oben“ beseitigt werden und alles würde sofort besser, haben also nicht das Potential, irgendetwas dauerhaft zum Besseren zu verändern. Es wäre aber genau so falsch zu behaupten, dass jeder Angriff auf die herrschenden Eliten automatisch rückschrittlich ist. Es existiert eine globale Klasse von Reichen und Mächtigen, die von diesem System profitiert und die alles tun wird, um ihre Privilegien zu verteidigen. Unsere Versuche, eine menschlichere Gesellschaft aufzubauen, werden angegriffen werden, sobald sie den alltäglichen Ablauf der Verwertungsmaschinerie behindern. Wir werden unsere Projekte gegen solche Angriffe verteidigen müssen. Schlussendlich werden wir bei dem Versuch, Herrschaft an sich zu zerschlagen auch gegen diejenigen vorgehen müssen, die als Funktionseliten gerade Herrschaft ausüben. Aber das kann eben nur ein Mittel zum Zweck sein, nicht der Kern unseres Handelns.

Zur aktuellen Lage der Berichterstattung

Axel Bergfeld, Inhaber des Bioladens Bergfeld im Viktoria Karree und einer der Initiatoren des Viva-Viktoria Bündnisses, postete gestern wutentbrannt auf FB:
„Die Signa behauptet doch allen Ernstes, ihr seien die Hände gebunden, „den verwahrlosten Zustand ihrer Immobilien zu beenden“, da Hausbesetzer eine (!) ihrer Immobilien besetzt hätten. Und was – bitteschön – ist mit den übrigen Immobilien am Standort? Aus unserer Sicht wird hier durch den Konzern unter der Führung des wegen Korruptions rechtskräftig verurteilten Rene Benko der durchsichtige Versuch unternommen, den „schwarzen Peter“ der Polizei und der Staatsanwaltschaft unterzuschieben. Ich meine: So qualifiziert man sich nicht für die angekündigte „konstruktive“ Teilnahme an der kommenden Bürgerwerkstatt, sondern führt die Stadtgesellschaft weiter vor!“

Wutentbrannt ist er zu Recht: Am 26.01. erschien ein Artikel im Generalanzeiger über die Besetzung der Rathausgasse 6, der ein Paradebeispiel dafür ist, was bei Berichterstattungen so alles schief laufen kann. Der Bonner Express schoss hinterher – und dabei noch massiver an der Realität vorbei. Die Besetzer*Innen hätten Stromkästen manipuliert, „so dass die im Karree untergebrachten Flüchtlinge keinen Strom mehr haben“.
Außerdem wäre das Viertel durch Vandalismus und Graffitti dermaßen heruntergewirtschaftet, dass potentielle Mieter das Weite suchen würden. Hier hilft wie so häufig ein kurzer Faktencheck: Die SIGNA-Holding GmbH führt trotz des Bürgerbegehrens von XYZ einen politischen Kampf um das Viktoria Karree, um dort ein Einkaufszentrum mit Tiefgarage zu errichten. Es geht der SIGNA also keineswegs um die Erhaltung des Viertels und noch viel weniger um die Instandhaltung der Gebäude: Ganz im Gegenteil sollen die Gebäude zwischen den belebten Einkaufsstraßen und dem historischen Gebäude der Universität abgerissen werden, um einem Neubau zu weichen. Aus diesem Grund räumt die SIGNA nach und nach die von ihr erworbenen Gebäude, um durch dauerhaften Leerstand den Verfall der Gebäude voran zu treiben.
Dagegen haben die Besetzer*innen das Gebäude in der Rathausgasse 6 seit über acht Monaten anhaltend renoviert und kreativ genutzt. Sie wurden dabei regelmäßig von Sabotagen des Hausmeisters behindert, der im Auftrag der SIGNA Stromkabel durchgeschnitten sowie die Besetzer*innen in Räumen eingeschlossen hat und schließlich dazu überging, massive Drohungen auszusprechen. Nicht nur, dass hier das Brandrisiko billigend in Kauf genommen wurde, es wurde auch vor Straftaten wie Freiheitsberaubung offensichtlich nicht Halt gemacht. Die Besetzer*innen haben sich dadurch allerdings nicht einschüchtern lassen, sondern die Zerstörungen des Hausmeisters immer wieder behoben und das Gebäude nutzbar gemacht. In den letzten Monaten haben neben den skandalisierten Partys zahlreiche Veranstaltungen stattgefunden, für die nun kein Raum mehr ist in Bonn: Künstler*Innen aus ganz Deutschland kamen ins LIZ und haben die Räume unentgeltlich mit ihren Werken ausgestattet, Vorträge sowie Lesebühnen zu vielfältigen Themen wurden organisiert, Nachbarschaftshilfe und ein Umsonstladen fanden einen Ort, eine Küche für alle und Kino luden zum niedrigschwelligen Austausch und Beisammensein ein. Um das alles zu realisieren, engagierten sich rund 100 Jugendliche und junge Erwachsene in ihrer Freizeit unentgeltlich für die Räume in der Rathausgasse 6 und füllten sie mit Leben.
Entgegen der Unterstellungen von Seiten der Signa hat das LIZ auch nicht den geflüchteten Familien, die in den oberen Etagen wohnen, den Strom abgestellt, sondern einen offenen, nachbarschaftlichen Kontakt gepflegt, bei dem Weihnachtsgeschenke ausgetauscht und bei alltäglichen Problemen geholfen wurde. Ausdruck davon war auch die offensichtliche Sympathie, die am 27.01. von den Geflüchteten gegenüber den Demonstrant*innen geäußert wurde: Die Familien standen am Fenster, winkten und grüßten einzelne der Besetzer*innen, die sie persönlich kennen.
Soviel also zu den „alternativen Fakten“ der SIGNA über die vergangenen Verfehlungen der Besetzer*innen, die im Generalanzeiger und Express abgedruckt wurden. Im gleichen diffamierenden Stil wurde über die spontane Demonstration am 27.01. berichtet, die anlässlich der Räumung des libertären Zentrums ab Mittag desselben Tages geplant wurde. Es ist die Rede von 50 Demonstrant*innen – obwohl auf den abgedruckten Fotos offensichtlich um die 150 Unterstützer*Innen zu sehen sind.
http://www.general-anzeiger-bonn.de/…/IMG_20170127_211129.j…
Uns ist schleierhaft, wie ein etabliertes Medium wie der Generalanzeiger sich derartige „Fauxpas“ leisten kann – und sich damit zum öffentlichkeitswirksamen Handlanger skrupelloser Investoren wie der SIGNA macht.

#keinschlafohne