Zur aktuellen Lage der Berichterstattung

Axel Bergfeld, Inhaber des Bioladens Bergfeld im Viktoria Karree und einer der Initiatoren des Viva-Viktoria Bündnisses, postete gestern wutentbrannt auf FB:
„Die Signa behauptet doch allen Ernstes, ihr seien die Hände gebunden, „den verwahrlosten Zustand ihrer Immobilien zu beenden“, da Hausbesetzer eine (!) ihrer Immobilien besetzt hätten. Und was – bitteschön – ist mit den übrigen Immobilien am Standort? Aus unserer Sicht wird hier durch den Konzern unter der Führung des wegen Korruptions rechtskräftig verurteilten Rene Benko der durchsichtige Versuch unternommen, den „schwarzen Peter“ der Polizei und der Staatsanwaltschaft unterzuschieben. Ich meine: So qualifiziert man sich nicht für die angekündigte „konstruktive“ Teilnahme an der kommenden Bürgerwerkstatt, sondern führt die Stadtgesellschaft weiter vor!“

Wutentbrannt ist er zu Recht: Am 26.01. erschien ein Artikel im Generalanzeiger über die Besetzung der Rathausgasse 6, der ein Paradebeispiel dafür ist, was bei Berichterstattungen so alles schief laufen kann. Der Bonner Express schoss hinterher – und dabei noch massiver an der Realität vorbei. Die Besetzer*Innen hätten Stromkästen manipuliert, „so dass die im Karree untergebrachten Flüchtlinge keinen Strom mehr haben“.
Außerdem wäre das Viertel durch Vandalismus und Graffitti dermaßen heruntergewirtschaftet, dass potentielle Mieter das Weite suchen würden. Hier hilft wie so häufig ein kurzer Faktencheck: Die SIGNA-Holding GmbH führt trotz des Bürgerbegehrens von XYZ einen politischen Kampf um das Viktoria Karree, um dort ein Einkaufszentrum mit Tiefgarage zu errichten. Es geht der SIGNA also keineswegs um die Erhaltung des Viertels und noch viel weniger um die Instandhaltung der Gebäude: Ganz im Gegenteil sollen die Gebäude zwischen den belebten Einkaufsstraßen und dem historischen Gebäude der Universität abgerissen werden, um einem Neubau zu weichen. Aus diesem Grund räumt die SIGNA nach und nach die von ihr erworbenen Gebäude, um durch dauerhaften Leerstand den Verfall der Gebäude voran zu treiben.
Dagegen haben die Besetzer*innen das Gebäude in der Rathausgasse 6 seit über acht Monaten anhaltend renoviert und kreativ genutzt. Sie wurden dabei regelmäßig von Sabotagen des Hausmeisters behindert, der im Auftrag der SIGNA Stromkabel durchgeschnitten sowie die Besetzer*innen in Räumen eingeschlossen hat und schließlich dazu überging, massive Drohungen auszusprechen. Nicht nur, dass hier das Brandrisiko billigend in Kauf genommen wurde, es wurde auch vor Straftaten wie Freiheitsberaubung offensichtlich nicht Halt gemacht. Die Besetzer*innen haben sich dadurch allerdings nicht einschüchtern lassen, sondern die Zerstörungen des Hausmeisters immer wieder behoben und das Gebäude nutzbar gemacht. In den letzten Monaten haben neben den skandalisierten Partys zahlreiche Veranstaltungen stattgefunden, für die nun kein Raum mehr ist in Bonn: Künstler*Innen aus ganz Deutschland kamen ins LIZ und haben die Räume unentgeltlich mit ihren Werken ausgestattet, Vorträge sowie Lesebühnen zu vielfältigen Themen wurden organisiert, Nachbarschaftshilfe und ein Umsonstladen fanden einen Ort, eine Küche für alle und Kino luden zum niedrigschwelligen Austausch und Beisammensein ein. Um das alles zu realisieren, engagierten sich rund 100 Jugendliche und junge Erwachsene in ihrer Freizeit unentgeltlich für die Räume in der Rathausgasse 6 und füllten sie mit Leben.
Entgegen der Unterstellungen von Seiten der Signa hat das LIZ auch nicht den geflüchteten Familien, die in den oberen Etagen wohnen, den Strom abgestellt, sondern einen offenen, nachbarschaftlichen Kontakt gepflegt, bei dem Weihnachtsgeschenke ausgetauscht und bei alltäglichen Problemen geholfen wurde. Ausdruck davon war auch die offensichtliche Sympathie, die am 27.01. von den Geflüchteten gegenüber den Demonstrant*innen geäußert wurde: Die Familien standen am Fenster, winkten und grüßten einzelne der Besetzer*innen, die sie persönlich kennen.
Soviel also zu den „alternativen Fakten“ der SIGNA über die vergangenen Verfehlungen der Besetzer*innen, die im Generalanzeiger und Express abgedruckt wurden. Im gleichen diffamierenden Stil wurde über die spontane Demonstration am 27.01. berichtet, die anlässlich der Räumung des libertären Zentrums ab Mittag desselben Tages geplant wurde. Es ist die Rede von 50 Demonstrant*innen – obwohl auf den abgedruckten Fotos offensichtlich um die 150 Unterstützer*Innen zu sehen sind.
http://www.general-anzeiger-bonn.de/…/IMG_20170127_211129.j…
Uns ist schleierhaft, wie ein etabliertes Medium wie der Generalanzeiger sich derartige „Fauxpas“ leisten kann – und sich damit zum öffentlichkeitswirksamen Handlanger skrupelloser Investoren wie der SIGNA macht.

#keinschlafohne


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