Aufruf zur Tanz-Demo am 13.01.

Nie wieder ohne LIZ!

Auf die Straße am 13.1. –-- Für ein selbsbestimmtes Leben: Reclaim the world

Über ein halbes Jahr ist es inzwischen her, dass wir die damals schon seit Jahren leer stehenden Räume in der Rathausgasse 6 bezogen haben um hier unsere Vorstellungen von einem selbstbestimmten Leben umzusetzen. Gleichzeitig konnten wir zeigen, dass es möglich ist, sich gegen wilde Spekulationen selbstständig und erfolgreich zur Wehr zu setzen. Zusammen mit der Initiative Viva Viktoria haben wir den Entwicklungen einen Riegel vorgeschoben, die offensichtlich völlig an den Interessen der Leute vorbeigehen, die hier leben und arbeiten. Statt einer Mall, die keine*r braucht, existiert hier nun ein Freiraum, in dem es möglich ist, dass Menschen zusammen Politik, Kultur, Gemeinschaft organisieren und geschehen lassen. Gleichzeitig lässt die Eigentümerin, Signa, immer weitere Wohnungen und Geschäfte leer stehen und verfallen, um so die Öffentlichkeit unter Druck zu setzen. Dem Ziel, das Viktoriakarree verfallen zu lassen um so die Stadt zum Handeln zu zwingen, setzen wir etwas entgegen. Mit einem Umsonstladen, Kneipenabenden und einem lebendigen Cafébetrieb halten wir die Stimmung in der Straße und im Viertel am Leben.
Gleichzeitig ist die sogenannte „Schweinetour“, mit der das Viktoriakarree abgewertet wird, nicht die einzige bittere Pille, die wir in Sachen Stadtentwicklung schlucken müssen. Die Manie, das Stadtbild in den Augen der Stadtverwaltung aufwerten zu wollen, greift um sich und allenthalben wird entmietet, kernsaniert und an den oder die Höchstbietende*n verscherbelt. Einige erinnern sich vielleicht noch an den alten Netzladen in der Altstadt, an dessen Stelle sich jetzt hippe Altstadtlofts befinden. Die Miete können sich nur die Wenigsten leisten. Im Bestreben, in der Altstadt das Mackeviertel zu errichten, werden Leute auf die Straße gesetzt, die sich nicht die neuen Mieten leisten können, und Stück für Stück in die unattraktiven Gebiete gedrängt.
Noch drastischer zeigt sich das am Beispiel Hauptbahnhof. Zugegebenermaßen genießt das „Bonner Loch“ keinen guten Ruf in der Öffentlichkeit, aber auch hier sind es die, die keine Lobby und kein Geld haben, die unter der Veränderung leiden. Wenn auch hier öffentlicher Raum zugunsten eines Prestigeprojekts plattgemacht wird, geht das auf Kosten derjenigen, die sich nicht wehren können.
Zwar tut sich scheinbar etwas, doch wir lassen uns nicht täuschen: Die Stadt Bonn hat die Agentur Zebralog GmbH damit beauftragt, eine sogenannte Bürgerwerkstatt zu organisieren, in der die Interessen aller Akteur*innen im Viertel gehört werden sollen, doch in unseren Augen dient das nur dazu, unsere und andere nicht-kommerzielle Aktivitäten ruhig zu stellen, um letztendlich doch den Interessen der Investor*innen gerecht werden zu können. Die Geschichte solcher Vermittlungsprozesse zeigt, dass die Taktik des Hinhaltens und der halbgaren Versprechungen selbstverwaltete und widerständige Engagements aufreibt und kleinkocht. Wir wollen uns nicht spalten lassen und unsere Forderungen nach einem selbstbestimmten Leben ohne Konsumzwang und Leistungsdruck sind nicht verhandelbar.
Wir wollen in einer Welt leben, in der die Möglichkeit zur freien Entfaltung des Individuums im Vordergrund steht; doch die Mechanismen der Gesellschaft in der wir leben stehen dem im Wege. Der Kampf für ein lebenswertes Leben kann also nur darin bestehen, die herrschenden Mechanismen zu dekonstruieren. In einem Raum, in dem das Paradigma des Sichrechnens und der Konkurrenz die Grundlage für das Miteinander darstellen, können wir uns niemals wohl fühlen. Wir wollen nichts mieten noch auf niemandes Wohlwollen angewiesen sein. Was wir fordern und wofür wir kämpfen können wir nur selbst erreichen. Die Prozesse der Stadtentwicklung sind für uns ein Zeichen für die fortschreitende Kapitalisierung unserer Gesellschaft. Die Besetzung der Rathausgasse 6 und unser Engagement für das LIZ sind unser Kampf dagegen und für ein lebenswertes Leben ohne Herrschaft, Diskriminierung und Leistungszwang.

Lasst uns gemeinsam für das schöne und freie Leben auf die Straße gehen! Nie wieder ohne!


0 Antworten auf „Aufruf zur Tanz-Demo am 13.01.“


  1. Keine Kommentare

Antwort hinterlassen

XHTML: Du kannst diese Tags benutzen: <a href=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote> <code> <em> <i> <strike> <strong>


vier × = zwölf